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RÄUMLICHES ORIENTIERUNGSSYSTEM

project: reconstruction work at the Memorial for Peace in Munich at the architecture week year: 2022, typ: Installattion architecture: Opposite Office team: Benedikt Hartl, Zina Arborranu place: Memorial for Peace in  vicinity of the Russian Consulate General, Munich

Das Projekt geht aus einem scheinbar pragmatischen Auftrag hervor: die Entwicklung eines räumlichen Orientierungssystems für eine Mitarbeiterküche.
Anstatt jedoch mit einem konventionellen Gestaltungs-

vokabular zu reagieren – Leitsystemgrafiken, Farbcodes, Beschilderungen – verlässt der Ansatz bewusst die funktionalistische Logik und betritt einen spekulativen Raum. Orientierung wird hier nicht als Navigationsproblem verstanden, das durch Informationsdesign gelöst werden soll, sondern als phänomenologisches und narratives Ereignis – angesiedelt im mehrdeutigen Zwischenraum von Fiktion und Realität.

In einer filmischen Erzählung wird der Koch – Symbol des Alltäglichen – in eine galaktische Figur transformiert: den Stormtrooper. Die Küche wird zur Raumstation; Funktion löst sich in Fiktion auf. Raum ist nicht länger gegeben, sondern wird inszeniert, nicht länger erklärt, sondern erlebt. Die verspiegelten Metalloberflächen, das sternen-

übersäte Vakuum, die Stille des Alls – sie sind nicht bloß stilistische Mittel, sondern Instrumente einer Bedeutungs-

verschiebung. Die Grenzen zwischen Innenraum und Kosmos, zwischen Arbeit und Mythos beginnen sich aufzulösen. Die Küche wird zur Schnittstelle zwischen täglicher Notwendigkeit und spekulativer Projektion.

Die Wirkung auf die Mitarbeitenden entfaltet sich subtil, aber tiefgreifend. Durch das Eintauchen in ein fiktional aufgeladenes Umfeld öffnet das Projekt ein temporäres Portal aus der gewöhnlichen Logik der Arbeit heraus.
Der Koch ist nicht mehr nur Koch, sondern eine Figur, eingeschrieben in eine größere mythologische Erzählung.
Diese symbolische Neuverortung aktiviert eine latente Handlungsfähigkeit, die es den Arbeitenden ermöglicht, ihre eigenen Gesten, Werkzeuge und Rhythmen mit einer gesteigerten Präsenz neu zu erleben.

Anstelle eines linearen oder hierarchischen Orientierungssystems führt das Projekt ein Feld affektiver Signale und narrativer Ankerpunkte ein. Die Mitarbeitenden orientieren sich nicht über Schilder, sondern über Empfindungen, Assoziationen und ein Gefühl narrativer Immersion. Anstelle von Befehl und Kontrolle bietet es Mehrdeutigkeit und Imagination. Anstelle von Beschilderung – Geschichte. Anstelle von Ordnung – Erfahrung.

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