





FICTIONAL INFRASTRUCTURES
Projekt: 12 Guckkästen mit Modellen, Videos und einem Hologramm Jahr: 2026, Typ: Ausstellung Architektur Opposite Office Bau: Elodie Grandemange, Benedikt Hartl Bau: Noibau GmbH Ort: M Books, Weimar Fotos (c) Elodie Grandemange, Opposite Office
Fictional Infrastructures ist ein mobiles Museum und filmisches Langzeitprojekt von Opposite Office, das Architektur-modelle als Fragmente paralleler Wirklichkeiten inszeniert. Für die Ausstellung im Ausstellungsraum
von m books wird der Raum selbst zu einer räumlichen Apparatur zwischen Archiv, Kino und Beobachtungs-
station. Durch Schaufenster, Projektionen, Guckkästen und filmische Überlagerungen entsteht eine spekulative Umgebung, in der Architektur nicht als abgeschlossenes Objekt erscheint, sondern als Teil eines instabilen ökologischen und medialen Systems.
Im Zentrum der Installation steht ein großer minimalistischer Guckkasten aus schwarzem Holz, dessen zehn
Bullaugen jeweils den Blick auf ein einzelnes Architekturmodell freigeben. Die Modelle erscheinen wie isolier-
te Relikte oder Versuchsanordnungen — eingefrorene Ausschnitte einer Realität, die gleichzeitig vertraut und
fremd wirkt. In tiefschwarzen Innen-räumen treten die weißen Modelle wie fragile Infrastrukturen oder archäo-
logische Funde hervor. Architektur wird nicht frontal präsentiert, sondern durch einen körperlichen Akt des Suchens,
Beugens und Beobachtens erfahren.
Die Höhe der Bullaugen ist bewusst auf etwa 130 cm gesetzt. Erwachsene Besucher müssen sich bücken, Kin-
der auf einen Schemel steigen. Dadurch entsteht keine neutrale Betrachtungs-situation, sondern eine physische
Beziehung zwischen Körper und Objekt. Wahrnehmung wird zu einer Handlung, die Maßstab, Kontrolle und
Perspektive permanent verschiebt.
Unterhalb der Modelle befinden sich ausziehbare Schubladen mit Plänen, Presseberichten, Textfragmenten
und Bildmaterial zu den jeweiligen Projekten. Die Besucher bewegen sich dadurch ständig zwischen dokumentarischer Lesbarkeit und spekulativer Atmosphäre.
Über Schalter an jedem Bullauge lassen sich einfache mechanische oder lichtbasierte Interaktionen auslösen:
Lichtquellen aktivieren sich, Elemente bewegen sich, Teile der Modelle rotieren oder verändern sich temporär.
Diese Eingriffe erzeugen den Eindruck, dass die Architekturen nicht statisch sind, sondern auf Beobachtung
reagieren — als wären sie lebendige Systeme oder fragile Maschinen in einem kontinuierlichen Zustand der
Transformation.
Der große Guckkasten ist direkt im Schaufenster positioniert und bereits von außen als räumliches Objekt
sichtbar. Nachts wird er von innen beleuchtet und verwandelt sich selbst in eine Art urbanes Display oder
leuchtendes Beobachtungsinstrument im Stadtraum. Die Ausstellung existiert dadurch gleichzeitig als Innen-
raum und als öffentliche Projektion nach außen


