L'Ultimo borsista
Projekt: Film Jahr: 2026 Titel: L'ultimo Borsista - Un Film sulla fine di Villa Massimo Konzept und künstlerische Leitung:, Benedikt Hartl Regie & Kamera Maria Luisa Usai Szenische Entwicklung Benedikt Hartl, Maria Luisa Usai Schnitt: Maria Luisa Usai Ton Maria Luisa Usai Darsteller Benedikt Hartl Text & Voiceover: Benedikt Hartl Ort: Garten der Villa Massimo, Rom Förderung Villa Massimo, Rom, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Ein Jahr lang begleitete die italienische Künstlerin und Filmemacherin Maria Luisa Usai Benedikt Hartl, Rompreisträger der Villa Massimo 2024/25, während seines Aufenthalts als Stipendiat an der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Aus der Beobachtung eines realen Jahres entstand ein Film, in dem Dokumentation und Fiktion zunehmend ununterscheidbar werden.
L’ultimo borsista beginnt dort, wo etwas bereits zu Ende gegangen ist. Das Tor der Villa Massimo öffnet sich. Ein Mann in einem silbernen Anzug tritt ins Licht, einen Koffer in der Hand. Er behauptet, der letzte Stipendiat zu sein. Ob die anderen Künstler gegangen sind, die Institution aufgehört hat zu existieren oder die menschliche Welt selbst verschwunden ist, bleibt unklar. Die Katastrophe wird nie gezeigt. Vielleicht hat sie längst stattgefunden. Vielleicht findet sie gerade statt. Die Villa ist noch da, doch die Natur beginnt, sie zurückzunehmen. Gras wächst über Wege, Pflanzen dringen an die Architektur heran, Insekten besetzen Baumrinden, Fische ziehen ihre Kreise im Brunnen. Der Künstler wandert durch diese Landschaft wie ein Relikt seiner eigenen Spezies. Er beobachtet, spannt Bänder zwischen Bäume, baut fragile Räume, schläft, steigt Treppen hinauf und blickt durch ein Fernglas in eine Welt, in der seine Anwesenheit zunehmend bedeutungslos erscheint. Was zunächst wie die Geschichte eines letzten Künstlers wirkt, wird zu einer posthumanen Fabel über das Verschwinden des Menschen aus dem Mittelpunkt der Welt. Nach Jahrhunderten des Anthropozäns, in denen der Mensch Landschaften veränderte, Arten verdrängte und das Klima selbst zum architektonischen Material machte, kehrt sich das Verhältnis um: Nicht mehr der Mensch formt die Welt – die Welt formt die letzten Spuren des Menschen.
Der Künstler produziert nicht mehr, um etwas zu verändern. Seine letzte Tätigkeit ist das Beobachten. Architektur besteht nicht länger aus Wänden, sondern aus Wind, Schatten, Bäumen und provisorischen Spuren. Das Fernglas wird zugleich Instrument der Erkenntnis und Symbol menschlicher Distanz: Der Mensch betrachtet eine Welt, zu der er vielleicht längst nicht mehr gehört. So wird die Villa Massimo zum Mikrokosmos einer möglichen Zukunft. Ein Ort kultureller Produktion verwandelt sich in eine Landschaft nach der Kultur. Die ökologische Krise erscheint dabei nicht als spektakuläres Ende der Welt, sondern als langsame Verschiebung ihrer Ordnung. Monumente verlieren ihre Bedeutung, Wege ihr Ziel und Architektur ihre Dauerhaftigkeit. Was für den Menschen als Verfall erscheint, kann für andere Lebewesen bereits der Beginn von etwas Neuem sein. Am Ende verschwindet auch der letzte Stipendiat. Zurück bleiben ein Koffer, ein Licht zwischen den Bäumen und die Wurzeln.
Vielleicht erzählt L’ultimo borsista deshalb weniger vom letzten Künstler als vom letzten Versuch des Menschen, sich selbst für wichtig zu halten.
Vom Ende des Anthropozäns – und von einer Welt, die nicht endet, nur weil der Mensch aus ihr verschwindet.
