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Postapocalyptic Workshop

Projekt:  Teaching Workshop IED Roma Jahr: 2024, Typ: Workshop, Ausstellung, Performance Studierende: Michela Giaccari,  Claudai Nuncio, Elisabed Bakanidze, Emma Capucci Casiraghi, Camilla Fiorelli, Margherita Montebovi, Nea-Noora Anneka Kyyronen,  Photografien: Michela Giaccaril Ort: Roma

In der gegenwärtigen Epoche, in der die vertrauten Regeln der Moderne obsolet geworden sind, verschiebt sich die Architektur von einem System der Ordnung hin zu einem Terrain radikaler Kontingenz. Figuren wie Elon Musk und Donald Trump verkörpern weniger individuelle Akteure als vielmehr Symptomträger einer tektonischen Verschiebung: Sie markieren die Emergenz eines post-apokalyptischen Raummodells, in dem libertäre Deregulierung, techno-utopische Expansion und ein entfesselter Anthropozentrismus den Raum nicht mehr ordnen, sondern fragmentieren.

Im Inneren dieser Entwicklung tritt die Innenarchitektur aus ihrer klassischen Funktion als Ort der Intimität und Behaglichkeit heraus und offenbart sich als ein machtvolles Dispositiv im foucaultschen Sinne: ein Raum, der kontrolliert, separiert und zugleich Überleben choreographiert. Das „Innen“ wird zur Zone der Ausnahme, zum Schwellenraum zwischen Schutz und Ausbeutung, zwischen Rückzug und totaler Sichtbarkeit. Hier offenbart sich, was Sloterdijk als „Sphärenbildung“ beschreibt – jedoch nicht mehr in Form einer behütenden Weltkugel, sondern als zerbrechliche, prekäre Blase, die jederzeit zu implodieren droht.

Die urbane Innenarchitektur, verstanden als „Interior Urbanism“, wird damit zu einem Laboratorium für das, was Virilio als „rasenden Stillstand“ diagnostizierte: Räume, die in permanenter Beschleunigung entworfen werden, ohne je Stabilität oder Sicherheit zu gewähren. Überleben selbst wird zur ultimativen Kategorie von Luxus – nicht das ästhetische Arrangement des Interieurs, sondern die pure Möglichkeit, einen Raum als „bewohnbar“ zu erfahren.

Der Diskurs um URBAN INTERIOR an @ied_roma muss daher über Stil und Materialität hinausgehen: Er fragt nach der ethischen und politischen Dimension des Innenraums in einer Welt, in der das „Recht des Stärkeren“ räumliche Formen produziert, die sich zugleich als Zonen der Exklusion, der Unsicherheit und der fragmentierten Subjektivität manifestieren. Architektur und Innenarchitektur werden hier nicht länger als humanistische Disziplinen begriffen, sondern als Spiegel und Katalysator einer neuen Epoche, in der das Überleben selbst zum architektonischen Entwurf geworden ist.

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