


UNTER DEM PAVILLION
Projekt: Beitrag zur Kuration des deutschen Pavillons zur Architekturbienale 2027 Jahr: 2026 Typ: temporäre Installation Architektur: Opposite Office, Fabian Wagner Ort: Deutscher Pavillion, Architektur Bienale Venedig,
Die Architekturbiennale Venedig ist die bedeutendste internationale Architekturausstellung. Sie bietet einen
Überblick über aktuelle Strömungen in der Architektur sowie Gelegenheit zur Präsentation nationaler Leistungen.
Der deutsche Beitrag für die Architekturbiennale wird durch das BMWSB und das BBSR koordiniert und finanziert.
Unser Beitrag heisst Unter dem Pavillion
Wir müssen kriegstüchtig werden!“ Boris Pistorius, November 2023
Der deutsche Pavillon bleibt - und wird gleichzeitig unterhöhlt. Über Jahrzehnte hinweg dominierte in der Architektur ein nahezu unangefochtener Konsens: Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Of-
fenheit. Architektur verstand sich als vermittelnde Disziplin, als Beitrag zu einer besseren, gerechteren Welt. Doch mit der Verschärfung globaler Konflikte und einer sich wandelnden geopolitischen
Lage verschiebt sich dieser Fokus fundamental. „Unter dem Pavillon“ reagiert auf diese tektonische Veränderung mit einer dystopischen Version.
Der Pavillon selbst bleibt in seiner bekannten, repräsentativen Form bestehen – als Oberfläche, als Symbol einer vergangenen Gewissheit. Doch unter ihm entsteht eine zweite, verborgene Architek-
tur: ein Bunker. Massiv, erdverankert, entzogen. Der Zugang erfolgt nicht offen, sondern kontrolliert. Der Abstieg markiert einen Bruch: von Licht zu Dunkelheit, von Öffentlichkeit zu Abschottung,
von kultureller Repräsentation zu existenzieller Sicherung. Im Untergrund entfaltet sich ein System aus Schutzräumen, Versorgungseinheiten und Kontrollzonen. Räume sind reduziert auf Funktion,
Materialien auf Widerstandsfähigkeit. Orientierung wird erschwert, Sichtbarkeit limitiert. Der Besucher bewegt sich durch eine Architektur, die nicht einlädt, sondern vorbereitet – auf den Ausnah-
mezustand. Der Pavillon wird so zu einer doppelten Figur: oben die fragile Ordnung einer offenen Gesellschaft, unten ihre latente Angst, materialisiert in Beton.
Der Beitrag stellt eine unbequeme These zur Diskussion:
Ist die Architektur der Zukunft wieder eine Architektur der Verteidigung?
„Unter dem Pavillon“ ist keine Prognose, sondern eine bewusste Überzeichnung – eine räumliche Konfrontation mit der Möglichkeit, dass sich die Prioritäten der Disziplin verschieben: von Nachhal-
tigkeit zu Sicherheit, von Transparenz zu Kontrolle, von Offenheit zu Schutz.

